Sonntag, 17. Juli 2016

Von Gars am Inn bis Verdun - Teil 3

Der letzte Teil der Bilder aus Gars führt uns wie angekündigt nach Verdun.
Am 14. Juni 1940 besetzten die deutschen Truppen neben Paris auch Verdun.
Die Bilder zeigen die verschiedenen Denkmale und Anlagen, die im Gedenken an die Schlacht um Verdun angelegt wurden. Diese hat im Laufe des Jahres 1916 über eine halbe Millionen Menschen das Leben gekoste. Je nach Quelle reden wir hier über die kompletten Einwohner von Städten wie Nürnberg, Düsseldorf oder Stuttgart. Und 25 Jahre später war schon wieder Krieg und wieder rückten die deutschen Soldaten auf Verdun vor.

Die Bilder aus meiner Sammlung zeigen nur sehr vereinzelt Soldaten und es sieht eigentlich eher nach einem Ausflug denn nach Kampfhandlungen aus. Entsprechend gehe ich davon aus, das die Fotos nicht schon im Juni 1940 entstanden sind.



Allerdings scheinen sie noch im Jahr 1940 entstanden zu sein, denn dieses Denkmal für die Verteidiger von Verdun (Belagerung 1870) wurde -dieser Seite zu Folge- noch im gleichen Jahr von den Deutschen eingeschmolzen.


Denkmal für die Verteidiger von Verdun (Belagerung 1870) - Aufnahme aus 1940

Auch die weiteren Bilder sind im Umfeld von Verdun entstanden und zeigen weitere Denkmale zum Gedenken an die Gefallenen des ersten Weltkriegs.



Monument Soldat du Droit - Andre Thomé - Aufnahme aus dem Jahr 1940 
Gewidmet dem Französisch Politiker Andre Thomé, der -obwohl er "freigestellt" gewesen wäre- freiwillig der Armee beitrat und in Verdun am 10. März 1916 fiel.

 
Deutscher Soldat am Memorial 130th French Division ("The Wounded Lion") - 1940

Die Bildbeschreibung von  Schreibkraft in der Wikipedia auf Deutsch zu seinem Bild lautet: >>Denkmal vom sterbenden Löwen. Das Denkmal markiert den äußersten Punkt der deutschen Offensive in Richtung Verdun am 23. Juni 1916. Es wurde an der Stelle der zerstörten Kapelle Sainte-Fine errichtet. Der Löwe wurde als Symbol gewählt, weil viele bayerische Soldaten an dieser letzten Offensive beteiligt waren.<<

Memorial André Maginot


Deutscher Soldat am Memorial André Maginot - 1940Deutscher Soldat am Memorial André Maginot - 1940 - Detail

Ein Denkmal zum Gedenken an André Maginot, Abgeordneter des Departements Meuse, verletzt bei Verdun am 9. November 1914. Errichtet im Jahr 1935.


Beenden will ich den Post mit eher ungewöhnlichen Bildern, auf die ich mir nicht wirklich einen Reim machen kann. Sie waren Teil der Kunstoffnegative in diesem Konvolut. Die Filme stammen von unterschiedlichen Herstellern, haben unterschiedliche Abmessungen und sind über die Zeit in der Schachtel für Agfa-Papier gesammelt worden... Von daher ist eine zeitliche Einordnung für mich meist nur über die Motive möglich.

Mein erster Gedanke war schwarze/fabige Kriegsgefangene. Aber weder sehen die Menschen nach Kriegsgefangenen aus, noch sieht mir das Haus nach Krieg aus. Amerikanische GIs nach dem zweiten Weltkrieg stelle ich mir auch anders vor. 
Wenn ich mir die Geschichte der Afrodeutschen bei Wikipedia anschaut, fehlt mir auch irgendwie die Fantasie, was eine Gruppe dunkelhäutiger Menschen nach dem zweite Weltkrieg nach Gars am Inn verschlagen haben könnte.
Wie auch immer, offensichtlich hatte unser unbekannte Fotograf zu ihnen Kontakt und hat einige Fotos für die Nachwelt gemacht. Vielen Dank dafür.

dunkelhäutige/farbige junge Männer - nach dem zweiten Weltkrieg? - Aufnahmedatum unklar


dunkelhäutige/farbige junger Mann - nach dem zweiten Weltkrieg? - Aufnahmedatum unklardunkelhäutige/farbige junger Mann - nach dem zweiten Weltkrieg? - Aufnahmedatum unklar

Wie meist bei meinen Bildern, so wird vermutlich auch das Schiksal dieser jungen Männer ebenso im Schatten der Geschichte verborgen bleiben, wie das der Soldaten an den Mahnmalen in Verdun.

Vielleicht gelingt es mit im Laufe der Zeit noch ein wenig Licht in die Geschichte der Familie aus Gars am Inn zu bringen und den Fotografen, der all die Menschen aus den letzten Posts begleitet hat.

Verlassen wir also Gars am Inn und schauen mal, wohin uns die nächsten Glasplatten so bringen werden.

Viele Grüße einstweilen
Peter

Sonntag, 29. Mai 2016

Von Gars am Inn bis Verdun - Teil 2

Teil 2 der Reise in die Vergangenheit einer Familie aus Gars am Inn.
Die jungen Damen wurden ja schon in Teil 1 "vorgestellt". In diesem Teil sollen die Bilder im Mittelpunkt stehen, die diese Menschen mit ihren Werkzeugen, Errungenschaften und bei den unterschiedlichen Aktivitäten zeigen.

Ich bin mir nicht sicher, ob man zu dritt in einem Faltboot/Kajak auf dem Inn fahren sollte, aber ohne Paddel werden die drei vermutlich auch nicht "in See" gestochen sein. :-)


Drei Frauen mit einem Faltboot/Kajak am Inn - Gars am Inn - 1930-1950

Es scheint eher, als wäre das Boot einfach ein gutes Fotomotiv gewesen.


 Zwei Frauen mit einem Falt-Boot/Kajak am Inn - Gars am Inn - 1930-1950 Foto einer jungen Frau mit Fahrrad - Gars am Inn - 1930-1950

Genau wie das neue Fahrrad der jungen Dame aus dem ersten Teil. Es scheint als hätten sich diesbezüglich die Zeiten nicht geändert.

Man zeigt was man hat...

Ein Stier aus den 1930ern - Gars am Inn - 1930-1950

Ein Stier aus den 1930ern - Gars am Inn - 1930-1950Ein Stier aus den 1930ern - Gars am Inn - 1930-1950

Ein Stier aus den 1930ern - Gars am Inn - 1930-1950

Und seinerzeit hatten die Rinder auch noch lange Hörner. Aber sie waren natürlich nicht nur Fotomotiv, sondern wohl in erster Linie Arbeitstier.

Rinder als Zugtiere vor einem Wagen - Gars am Inn - 1930-1950Rinder als Zugtiere vor einem Holzschlitten im Winter - Gars am Inn - 1930-1950

Sommers wie Winters als Zugtiere eingesetzt und was für Rinder galt, galt um so mehr für die Pferde jener Zeit. 


 Zwei Pfere als Zugtiere vor einem Wagen - Gars am Inn - 1930-1950 

Und auch die Feldarbeit wurde noch nicht überall von Traktoren unterstützt.

Rinder alZugtiere vor einem Pflug bei der Feldarbeit - Gars am Inn - 1930-1950

Weder beim Pflügen noch bei der Ernte.

Getreideernte in Oberbayern - Gars am Inn - 1930-1950

Und auch Hühneraufzucht und Hausarbeit sehen zumindest in unseren Breiten heute meist anders aus, als im Oberbayern der 1930ern.


Ich bin mir nicht sicher, ob hier ein Silo gebaut werden soll, aber der Erbauer war so freundlich und hat die Jahreszahl auf einen der Steine gemalt. Bauwerk und die Fotos auf dem Perutz-Film, sind also 1940 entstanden. Ein guter Anhaltspunkt für andere Bilder aus der Sammlung.


Gartenarbeit 1940 - Gars am Inn - 1930-1950

Weiter geht es mit einer -wie ich finde- gelungenen Aufnahme von Zimmerleuten beim Dachstuhlbau. Ich vermute die heutige Berufsgenossenschaft hätte ihr helle Freude...


Zimmerleuten beim Dachstuhlbau - Gars am Inn - 1930-1950Foto vom Bauernhof zum Richtfest der Scheune - Gars am Inn - 1930-1950Foto vom Bauernhof zum Richtfest der Scheune - Gars am Inn - 1930-1950

..., aber am Ende stehen zwei Fotos vom Richtfest der neuen Scheune. 

Aber neben der Arbeit gab es auch schon damals: Vorlesen für die Kleinen :-)


Vorlesen für die Kleinen - Gars am Inn - 1930-1950Detailaufnahme - Vorlesen für die Kleinen - Die Heinzelmännchen - Gars am Inn - 1930-1950

Hier mit den Heinzelmännchen. Ein Foto von einer Ausgabe, die dieser im Bild ähnelt, habe ich hier gefunden. 
Demnach erschien diese Ausgabe um 1915.

Ein Winter in Gars am Inn - 1930-1950

Aber mit einem Foto vom Schlittenfahren im Winter verlassen wir die "schönen" Zeiten in Gars und gelangen in die Zeit des Nationalsozialismus. Da es für Bilder mit Soldaten in Uniformen offenbar einen großen Markt gibt finden sich auf den Floh- und Antikmärkten -meine Hauptquelle für alte Fotoplatten- meist keine Fotoplatten mit Soldaten. Und wenn doch dann zu Preisen, die wohl nur Militariasammler bereit sind zu bezahlen. Aber Jedem das Seine. 
Ich finde den Alltag der Menschen aus dieser Zeit überaus spannend und ich bin immer wieder überrascht, an welchen Stellen sich ihr Leben offensichtlich dramatisch von unserem unterschieden hat, um dann wieder Fotos in Situationen zu finden, die ich so oder so ähnlich schon selber erlebt und/oder fotografiert habe. Immer wieder verblüffend.

Aber nachdem sich die Bilder der Uniformierten schon zwischen den anderen Negativen befanden, will ich sie natürlich auch nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Auch diese Bilder gehören letztlich zur Geschichte der jeweiligen Menschen... 

Der Post heute endet mit Fotos, die einen der jungen Männer beim Reichsarbeitsdienst zeigen.



Dem Abzeichen nach war er in der Einheit 5/300 eingesetzt. Diese befand sich meiner Recherche nach in Wolnzach -nördlich von München- in der Hallertau. Und es gibt von diesem Einsatz noch ein weiteres Bild. Eine Gruppenaufnahme vor einer Baracke, vermutlich in Wolnzach aufgenommen.

Beim Reichsarbeitsdienst 5/300 - Wolnzach - 1930-1950Detailaufnahme - Beim Reichsarbeitsdienst 5/300 - Wolnzach - 1930-1950

Diese Bilder sind vermutlich alle schon in den späten 1930ern entstanden und weitere Bilder reichen mit Sicherheit in die Zeit des Zweiten Weltkrieg hinein.
 
Und auch diese Fotos sollten vor allem eines: Einen kurzen Moment im Leben für sich und die Freunde und Verwandten festhalten und dokumentieren. Damals wie heute :-)

Viele Grüße
Peter